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Rudyard Kipling hatte Recht, wenn er sagte, das Taj Mahal liegt jenseits jeglicher Beschreibung. Jeder Besucher, der nach Agra kommt, hat das Mausoleum wohl schon unzählige Male zuvor auf Fotos, Postern oder im Fernsehen gesehen. Trotzdem kann man den zauberhaften Augenblick nicht vergessen, in dem das wohl bekannte Bild zur Wirklichkeit wird. Der erste Blick ist wirklich atemberaubend.

Das Taj ist nicht nur das meist besuchte und meist fotografierte Bauwerk Indiens, sondern eins der beeindruckendste der Erde überhaupt. Dieses kolossale Monument aus weißem Marmor strahlt einen magischen Eindruck schwebender leichtigkeit. Es wird "Traum in Marmor" und "Denkmal unvergänglicher Liebe" genannt. Denn der Mogul Kaiser Shah Jahan hat das Monument in Erinnerung an seine Lieblingsfrau, Mumtaz Mahal (die Erwählte des Palastes? erbauen lassen, nachdem sie im Alter von 38 Jahren bei der Geburt ihres 14. Kindes gestorben war. Insgesamt 20.000 Arbeiter brauchten 22 Jahre, um diese Liebeserklärung aus Marmor 1653 fertigzustellen.

Obwohl immer wieder europäische Baumeister, vor allem aus Frankreich und Italien, als Baumeister angeführt werden, gilt es inzwischen als erwiesen, dass der Iraner ISA Khan der Hauptarchitekt war. Die enormen Kosten für diesen Bau haben den Staat aber finanziell fast ruiniert. Das war auch ein Anlas für den machthungrigen Sohn von Shah Jahan, Aurangzeb, Seinen Vater zu entthronen. Shah Jahan musste die letzten acht Jahre sienes Lebens im Roten Fort als Gefangener verbringen und sich mit dem Blick auf das Taj begnügen. Shah Jahan wollte noch ein identisches Mausoleum aus schwarzem Marmor gegenüber dem Taj für sich selbst bauen. Aber sein Sohn ließ ihn neben seiner so hingebungsvoll verehrten Frau begraben.

Die bis ins kleinste Detail beachtete Symmetrie macht einen Eindruck von perfekter Harmonie auf den Besucher. Das beginnt schon bei den drei Eingangstoren, die zu einem Innenhof führen. Alle drei sind architektonisch und farblich dem 30 m hohen, verzierten Haupteingangstor aus rotem Sandstein gleich. Der Blick aus dem dunklen Inneren des Eingangstors auf das leuchtend weiße, scheinbar schwebende Taj gehört zu den unvergesslichsten Eindrucken jeder Indienreise. Leider ist der Eingang jetzt aus Sicherheitsgründen in ein kleines Tor rechts davon verlegt. Die Kalligraphien an den Außenwänden des Eingangstores gibt Verse aus dem Koran wieder. Die 22 kleinen Kuppeln, die das Eingangstor krönen, symbolisieren die 22 jährige Bauzeit des Taj Mahal.

Ein wichtiger Teil der Anlage ist die Gartenanlage zwischen dem Eingangstor und dem Taj selbst. Das Grün der vielen pflanzen bildet einen schönen Kontrast zum Weiß des Taj und zum Blau des Himmels. Im Zentrum der Anlage befindet sich ein Wasserbecken, in dem sich das Taj widerspiegelt. In der Mitte des Wasserbeckens steht eine Marmorplattform, die als populäre Aussichts - und Fotografierstandort dient. Menschen kommen überall her, um sich hier vor der traumhaften Kulisse fotografieren zu lasen.

Die beiden identischen Moscheen, die das Taj flankieren, rahmen mit ihren roten Sandsteinfassaden und marmornen Kuppeldächern das Mausoleum wirkungsvoll ein. Sie passen auch zu dem Eingangstor. Nur die westliche der zwei Moscheen kann benutzt werden, da die andere in die falsche Richtung ausgerichtet ist, d.h. nicht nach Mekka. Die östliche Moschee wurde also nur aus ästhetischen Gründen gebaut.

Das Taj Selbst steht, mit der Rückseite dem Yamuna Flußzugekehrt, auf einer 100 mal 100 m hohen Marmorplattform, die and den vier Ecken von 41 m hohen Minaretten begrenzt wird. Die Hauptfassade und die Hauptkuppel sind beide 58 m hoch. Die Plattform ist 6, 7 m hoch. Die Hauptkuppel wird von zwei kleineren Nebenkuppeln flankiert.

Das Mausoleum, ein oktogonaler Bau von 56m Seitenlänge and 58 m Höhe wird überwölbt von der gewaltigen Mittelkuppel (spitze 74 m) und die vier kleineren Kuppeln an den Seiten. Das Bauwerk wurde aus Ziegelsteinen errichtet und danach vollständig mit weißem Marmor verkleidet, der bei Makrana in Rajasthan gebrochen wurde. Der kostbare Stein läßt das Taj je nach Tageszeit in verschiedenen Farbnuancen erstrahlen. Feinste Einlegearbeiten (Pietra Dura) aus Halbedelsteinen verzieren Teile der Außenfassade und vor allem das Innere des Mausoleums.

Das südliche Tor führt in die Grabkammer. Filligran gearbeitete marmorne Gitterfenster filtern das helle Tageslicht und tauchen das Innere in ein diffuses Halbdunkel, das gerade noch die großartigen Ornamentierungen an allen Wänden erkennen lässt. Von wunderschönen Blumenmotiven bedeckt sind die beiden Grabimitationen von Shah Jahan und seiner Frau. Die echten Gräber liegen ein Stockwerk tiefer in der Krypta. Sie sind mit den feinsten Pflanzenornamenten bedeckt, die - obwohl kaum 3 cm groß - aus bis zu 60 präzise geschnittenen Einzelteilen bestehen.

Der Vorläufer des Taj ist das 100 jahre zuvor errichtete Grab von Humayun in Delhi. Rechts vom Haupteingang liegt das kleine Taj Museum mit einer Ausstellung zur Geschichte des Monuments. Wer Andenken kaufen und nicht mit einer plastikimitation des Taj statt der vermeintlichen Marmorkopie nach Haus kommen möchte, sollte am besten die staatlichen Emporien besuchen, die direkt vor dem eingang stehen.

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