Heute spreche ich über eine der ältesten Religionen der Erde -
Parsismus. Die Religion wurde von Zarathustra (der persische
Prophet) Mitte des 7. Jahrhunderts gegründet. Nach der Eroberung des
Landes sind diese Leute nach Nordwestindien geflohen. Sie werden in
Indien Parsen genannt. Zur Zeit ist die Anhängerzahl dieser Religion
etwa 100,000. Die meisten wohnen in Bombay oder Gujarat. Der Glaube
der Parsen ist von der Vorstellung geprägt, dass die zwei völlig
gegensätzlichen Kräfte, die mt den Wesen Ohrmuzd (das Gute) und
Ahriman (das Böse) identifiziert werden, sich in einem ständigem
Kampf befinden. Das Gesamte wird in Gegensäte wie Gut und Böse, Tag
und Nacht, Tod und Unsterblichkeit eingeteilt, wobei die beiden
Knotrahenten für die jeweiligen Gegensätze verantwortlich sind.
Den Parsen gelten die vier Hauptelemente wie Luft, Wasser, Erde und
Feuer als heilig und eine Verunreinigung eines dieser Element wird
automatisch mit der Hölle bestraft. Aber Friedlichkeit,
Gewaltfreiheit, Wahrhaftigkeit und Fleiss sind die Garantie ihres
Eingangs ins Paradies.
Wichtig für die Parsengeminde sind die Initiationsrituale und Riten
im Zusammenhang mit dem Tod. Kinder werden erst mit 7 bit 9 Jahren
durch die Navjote Zeremonie initiert. Dabei wird ihnen ein weisses
Hemd und ein Band um die Hüfte angelegt und es werden Gebete
gesprochen. Das Hemd und der Gürtel Symbolisieren den Glauben, der
den Menschen gegen das Böse beschützt.
Der Tod wird von den Parsen in Verbindung mit Ahirman (Böse) gesehen,
deswegen gilt der Leichnam als von Dämonen behaust und verunreinigt.
Um die heiligen Elemente, Erde, Feuer und Wasser nicht zu
verunreinigen, wir der Tote auf einer Metallbahre zur
Begräbnisstätte gebracht, wo der Leichnam nach der Reinigung in ein
weisses Tuch gehüllt wird und von professionallen Trägern zum Turm
des Schweigens gebbracht wird. Dort wird der Leichnam entkleidet und
den Naturkräften Wind, Wetter und Geiern überlassen. Dieser Brauch
kommt von der nomadischen Lebensweise in Persien. |
Höchstes Symbol des Gottes ist für die Parsen das reine und
reinigende Feuer (und somit auch die Sonne). Beim Gebet blickt der
Parse auf das Tempelfeuer, das ununterbrochen brennt. Das führt bei
Andergläubigen zur falschen Annahme, dass die Parsen Sonnen-oder
Feueranbeter seisen.
Die Parsen bilden eine wirtschaftlich erfolgreiche Gemeinschschaft.
Der Grund für den ökonomischen Erfolg der Parsen ist die
wirtschaftsfreundliche Religionsphilosophie. Sie hatten sich den
Grundstein zum erfolg in britischen Zeitn gelegt. Da die Hindus und
Moslems wegen ihrer religiosen Traditionen keine Handelsverbinding
mit Briten haben wollten, trieben die Parsen fleissig den Handel mit
ihnen und wurden reich.
Die bekannten Namen Tata, Godrej und Wadia führen die großen
Industrien, in denen nicht nur Parsen sondern auch Hindus und
Moslems gut bezahlt werden. Sie helfen anderen Leuten auch. In der
Form der berühmten Krankenhäuser und Sozial-und
Naturwissenschaftsforschungsinstitute dienen sie auch der indischen
Gesellschaft.
Die Parsen beten in einem niedrigen und fensterlosen Tempel - dem
Feuertempel.
Im allgemeinen gehören die Parsen einer gehobenen
Gesellschaftsschicht an. Sie sind meist wohlhabend und spielen eine
bedeutende Rolle im Wirtschaftsleben Westindiens.
Politiker wie Phirozshah Mehta, Dadabhai Navroji und der
weltberühmte Dirigent Zubin Mehta gehören zu der Parsengesellschaft.
Ashok Bedekar und Surendra Singh
(April - Juni 1999)
|