|
Mitgiftproblematik
Der Hauptgrund, warum Mädchen so stark benachteiligt werden, hat mit
der Mitgift (dowry) zu tun. Ursprünglich als Erbteil des Mädchens
gedacht ist sie heutzutage zum Fluch der modernen Gesellschaft
geworden. Die Brauteltern müssen heutzutage der Familie des
Bräutigams enorme Geldsummen und Konsumgüter wie Fernseher,
Kühlschränke, Autos usw schenken. Das zeigt uns die habgierige
Mentalität der Gesellschaft. Oft finden der Ehemann und seine
Familie aber sogar das alles nicht genug und stellen nach der Heirat
immer mehr Forderungen. Die Frauen in Indien leben nach der Heirat
Traditionell im Haus der Schwiegereltern. Viele Frauen müssen dann
im Falle einer Nichtzahlung verschiedenen Arten von physischen und
geistigen Qualen von dem Ehemann und seiner Familie ertragen. Fast
täglich finden sich in den indischen Zeitungen Meldungen über
vermeintlich tragische Küchenunfälle, bei denen die Frau am
Kerosinkocher verbrannt wurde. Es ist ein offenes Geheimnis, dass
das eigentlich schockierende Mitgiftmorde sind. Aber wegen
mangelnder Beweise kommt der mordende Ehemann meist straffrei davon.
Doch nicht in allen Landesteilen gibt es solche Mitgiftforderungen.
Die Situation der Frauen z.B. in dem wohlhabenden Staat Kerala ist
viel besser als in den nördlichen Staaten wie Haryana, Punjab,
Rajasthan, Bihar usw. Hier ist das Verhältnis von Frauen zu Männern
ungefähr zwischen 874 bis 888 Frauen auf 1000 Männer - die größte
Diskrepanz im Land.
Die Unterdrückung, Benachteiligung und Demütigung von Frauen in
vielen Bereichen in Indien hat aber auch zu verschiedenen Formen von
Widerstand geführt.
SEWA (Self Employed Womens’ Association)
Ein Beispiel dafür ist die Organisation SEWA, die Gewerkschaft
der Frauen, die Kleingewerbe betreiben, die in Heimen und als
Togelöhnerinnen arbeiten und unter allerschlechtesten Bedingungen
arbeiten müssen, wofür sie extrem niedrige Einkommen erhalten.
Mit der Unterstützung von Frauen, die jeweils 10 Rupien
einbezahlten, gründete SEWA 1974 eine Bank. Ziel war es, Kredite zu
beschaffen für die Frauen, die meistens von privaten Geldverleihern
abhängig waren und die von den staatlichen Banken kein Paisa
bekommen hätten. Doch SEWA ist nicht nur Bank. SEWA verhandelt mit
Behörden und Zwischenhändlern, gibt im Zweifelsfall juristische
Unterstützung, bildet Frauen in Männerberufen aus und hilft beim
Absatz der Waren.
Verschiedenen Kooperative sind der Organisation angeschlossen. Mit
deren Hilfe vermarkten die Frauen ihre Produkte selbst, damit die
Zwischenhändler nichts dazwischen verdienen müssen. Das Projekt ist
so erfolgreich, dass es inzwischen in ganz Indien viele
Nachahmerinnen gefunden hat.
Chipko Bewegung
“Der Wald ist die Heimatstätte unserer Mütter und mit aller Kraft
werden wir ihn schützen”, sangen die Frauen der Chipko Bewegung.
Chipko bedeutet “umarmt” und genau das taten die Frauen mehrerer
Dörfer an den Abhangen des Himalaya. Sie umarmten die Bäume in den
umliegenden Wäldern, um sie vor den Holzfällern zu schützen.
Schon lange hat man hier katastrophale Folgen des Naturraubs in
dieser Region erlebt. Uberschwemmungskatastrophen verursacht durch
Erosion und abgeholzte Wälder nehmen ständig zu. Werden die Bäume
gefällt, verscwindet der natürliche Lebensraum der Menschen. Die
Frauen waren besonders betroffen, da sie es sind, die dann weite
Wege für Brennholz und Fütter für die Tiere gehen müssen.
Bewusstseinswandel
Heutzutage kämpfen Frauen gegen Mitgiftmorde und organisieren sich
gegen die schlechten Umständen in den Slums der Großstädte. In Tamil
Nadu wehren sie sich gegen die Verseuchung des Wassers durch die
Krabbenzüchterei, sie erheben ihre Stimme in den Panchayats, den
Dorfräten und demonstrieren gegen religiösen Fanatismus.
Der schnelle Wandel in der indischen Gesellschaft hat viele alte
Traditionen geändert und oft zu Gewalt gegen das “schwache
Geschlecht” wirklich werden kann. Aber die kleinen Anfänge sind wie
ein silberner Streifen am grauen Horizont.
|